04. März 2008  

114: Schulverwaltung will nicht helfen

Grundschule Volkmarode: Noch mit MusikzimmerWas sich anlässlich des Runden Tisches über die Kinderbetreuung in Volkmarode Mitte Januar bereits andeutete, ist am Freitag in der Schulausschusssitzung im Rathaus Gewissheit geworden. Die Schulverwaltung will das Raumproblem an der Grundschule Volkmarode nicht konstruktiv lösen.

Der Stadtbezirksrat hatte in seiner letzten Sitzung einmütig beschlossen, dass in der GS weitere Räume zu schaffen sind, damit die zusätzlichen Schülerinnen aufgenommen werden können, dafür aber nicht der mit viel Einsatz der LehrerInnen, der Eltern und der Schulleitung geschaffene Musikraum beseitigt werden muss.

Der Hintergrund: Die Stadtverwaltung ging bei der Planung des Neubaugebietes Volkmarode-Nord davon aus, dass schnell viele Kinder in Volkmarode aufwachsen werden. Deshalb wurde zum August 2006 die Grundschule erweitert, um 10 Klassenzimmer bereit zu haben. Die Bebauung im Neubaugebiet findet allerdings nur schleppend statt. Derzeit sind erst knapp über 60% der Bauplätze in Wohnnutzung.

Die zwei Räume waren deshalb zunächst nicht als Klassenräume erforderlich. Die Grundschule hat deshalb einen der zunächst überzähligen, neuen Räume als Musikraum genutzt und die musische Bildung in der Volkmaroder Grundschule zu einem Vorzeigeprojekt entwickelt. Das geschah nicht aus Jux und Dollerei, sondern mit Ermunterung durch die schwarz-gelbe Landesregierung in Hannover. Die möchte nämlich Brücken zwischen Kitas und Grundschulen schlagen und die fachliche Qualität der Erziehung und Bildung an den Grundschulen steigern.

Nun mit 2jähriger Verspätung kommen mehr Kinder aus dem Baugebiet doch in der Grundschule an. Die nächsten Jahrgänge werden dreizügig unterrichtet werden müssen. Dafür werden dann 10 Klassenräume benötigt. Deshalb sei das Musikzimmer spätestens 2009 in ein Klassenzimmer umzuwandeln, sagt die Verwaltung. Die Schaffung zusätzlicher Räume ist nicht gewollt - das Musikzimmer war nicht eingeplant und muss deshalb jetzt weg, da Alternativlösungen nicht ohne Mehrausgaben möglich sind. Dies ist der Stand der Dinge.

Dies ist skandalös:

  • Es handelt sich um Sparpolitik auf dem Rücken der Kinder, wenn musische Bildung als entbehrlicher Luxus dargestellt wird.
  • Die Verwaltung kann nicht rechnen. Wenn nun in 2 von 4 Jahrgängen 3-zügig unterrichtet werden muss, aber weitere Kinder im Neubaugebiet nachkommen werden (40% der Bauplätze sind noch nicht verkauft!), dann wird eh erweitert werden müssen. Es fehlen in den nächsten 2 bis 3 Jahren 2 weitere Klassenräume, wenn die durchgängige Dreizügigkeit erwartet werden muss. 4 Jahrgänge a 3 Klassen braucht 12, nicht 10 Räume (ohne Musikzimmer).
  • Die Verwaltung unterschlägt zudem, dass steigende SchülerInnenzahlen an der GS auch zusätzlichen Raumbedarf im Hortbereich (Schulkindbetreuung) zur Folge haben. Auch dort passt es schon jetzt nicht mehr, ist Raummehrbedarf angemeldet.
  • Die Umsetzung des Brückenjahr-Konzeptes (Übergang Kita - Grundschule) der Landesregierung ist planerisch bisher in Raumbedarfsberechnungen auch nicht eingerechnet.

Kurzum: Die Stadt Braunschweig versucht das Problem nicht kindgerecht und fachlich zu lösen, sondern weg zu reden. Es werden Schätzungen behauptet (soviele Kinder seien betroffen) und es wird auf Beschlüsse mit ursprünglich geschätzten Zahlen verwiesen. Nicht in den Mittelpunkt gestellt werden die Kinder, deren Interesse an Entdeckung und Förderung ihrer Talente. Noch scheint die Schulverwaltung die Rückendeckung von CDU und FDP und OB Hoffmann zu haben. Kinderfreundliche Politik ist das nicht. Es muss eine solide Bedarfsberechnung her - Zahl der Kinder im Ort - Klassen- und Gruppengrößen bisher und zukünftig - Raumbedarf für Klassenzimmer, Musik, Nachmittagsbetreuung usw. usf., und dann eine Lösung gefunden werden, die sich nicht auf die Beseitigung des Musikzimmers beschränkt.