18. September 2014  

Hochseilgarten im Westpark?

KlettergartenRelativ überraschend flatterte gegen Ende der Sommerferien eine Einladung auf die Tische der Ratsfraktionen: Grundsteinlegung für das Empfangs-gebäude des Hochseilgartens Westpark. Kurz vor der Sommerpause hatte es im Planungs- und Umwelt-ausschuss eine Mitteilung dazu gegeben. Hochseilgarten Timmerlaher Busch hieß es dort. Darin war die Rede davon, dass die Stadtverwaltung dieses Vorhaben begrüße, da es eine sinnvolle Ergänzung des Freizeitangebotes rund um den Westpark und für die Weststadt darstelle.Wo genau der Parcours des Hochseilgartens liegen soll, war nicht klar und auch die Aspekte des Naturschutzes waren noch nicht genauer untersucht, lediglich Zwischenergebnisse lagen vor. Dennoch sei – so die Mitteilung der Verwaltung- in Kürze mit einer Teilbaugenehmigung für das Gebäude zu rechnen, da keine naturschutzfachlichen Bedenken vorlägen.

Diese Mittelung erhielt von allen Stadtbezirken außerhalb von Sitzungen nur der Stadtbezirk 222 -Timmerlah-Geitelde-Stiddien.

Noch klingelten die Alarmglocken nicht so richtig. Aber zum Zeitpunkt der Grundsteinlegung – noch immer Sommerferien! - wird vor Ort klar: Das ist ein Hochseilgarten, der nicht im Westpark liegt, sondern in einem sensiblen Bereich des Landschaftsschutzgebietes Timmerlaher Busch. Und was die Ergänzung des Freizeitangebotes für die Weststadt angeht, kommen angesichts der zu erwartenden Preise weitere Bedenken auf. Das ist kein billiges Vergnügen und der Betreiber rechnet selbstverständlich damit, dass dies eine stadt-, wenn nicht regionalweite touristische Attraktion wird, schließlich rechnet er mit 15.000 Besuchern in der Sommersaison.

Und wie gelangen die Besucher und Besucherinnen dort hin? Über den Madamenweg. Und die Empfangsgebäude liegen tatsächlich noch im Westpark. Damit wäre es aber notwendig gewesen, zwei weitere Bezirksräte (nämlich den des Westlichen Ringgebietes und den der Weststadt) über die Sachverhalte zu informieren. Aber eine politische Diskussion war wohl nicht gewollt. Eine Erweiterung von Freizeitangeboten im Umkreis des Westparkes ist durchaus erstrebenswert. Ein Hochseilgarten an sich ist ebenso nichts Schlechtes. Aber beim geplanten Objekt gibt es gleich mehrere Probleme:

  • 1. Die Anfahrt über den engen, schon jetzt stark frequentierten Madamenweg mit einem wichtigen Amphibienwechsel im Bereich des Raffteichbades.
  • 2. Die Zerstörung eines Naturraumes, der momentan noch den Anrainern zur Verfügung steht, zugunsten einer zahlungskräftigen Kundschaft.
  • 3. Die Vorgehensweise der Verwaltung, die lediglich in einer Mitteilung die Politik informiert, sie aber nicht in die Entscheidungsprozesse einbindet.
  • 4. Die Schaffung von Fakten (Grundsteinlegung ) vor Abschluss der naturschutzfachlichen Untersuchungen.

Erst im Nachhinein wurden die beiden betroffenen Bezirksräte informiert. Im Bezirksrat Westliches Ringgebiet stellte der Unternehmer sein Vorhaben am 16.9.2014 vor. Laut seiner Auskunft gibt es sozial gestaffelte Preise, es erfolge eine Integration in den Westpark, die dort schon vorhandenen Angebote würden aufgewertet und ausgeweitet. Den Menschen solle ein Naturerlebnis vermittelt werden und man bemühe sich über Ermäßigungen Anreize zu geben, dass die Besucherinnen und Besucher mit dem Bus oder dem Fahrrad anreisen. Auch die Fachverwaltung äußerte sich in diese Richtung. Naturschutzrechtliche Bedenken gebe es gegen dieses Projekt nicht. Das schon hohe Verkehrsaufkommen auf dem Madamenweg werde lediglich etwas weiter erhöht. Der Informationspflicht sei man durch die Mitteilung im Planungs- und Umweltausschuss nachgekommen sowie durch Information der Bezirksräte. Die Sensibilität des Bezirksrates Westliches Ringgebietes bezüglich des Madamenweges habe man möglicherweise übersehen. Die LINKE hält das Vorgehen der Verwaltung ohne Beteiligung politischer Gremien und der Öffentlichkeit für undemokratisch. Deshalb wird nun die Sache sowohl in den zuständigen Ausschüssen als auch im Rat von ihr thematisiert.

(Gisela Ohnesorge, Ratsfrau und Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Bezirksrat Westliches Ringgebiet)

Siehe Antrag der Linksfraktion im Rat der Stadt hier